Exponat des Monats 

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An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen jeden Monat ein besonderes Ausstellungsstück aus unserer umfangreichen Sammlung.

    

Februar 2020: Straßengebote (1925)

Noch vor dem Aufkommen des motorisierten Massenverkehrs mussten in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Kinder allmählich an Verkehrsregeln gewöhnt werden, jedenfalls in der Stadt (in den meisten Dörfern konnten die Kinder noch weitgehend unbehelligt auf der Straße spielen, weil kaum ein Auto kam).

Bitte beachten Sie den hohen Anteil an Pferdefuhrwerken im Straßenverkehr!

Diese Karte stellt die wichtigsten Verkehrsregeln in der damals üblichen Sütterlin-Schrift in Reimen vor (Transkript unten).

 

   

Wellachs Verkehrs-Lehrtafel No. 1:

Straßengebote

 

  1. Nur     rechts gehen, rechts fahren
    kann Mensch und Tier vor Unfall bewahren.
  2. Nur kurz die Fahrbahn überschreit‘,
    bringt jedem größte Verkehrssicherheit.
  3. Nur    links überholen, rechts ausweichen
    wird allem Verkehr zum Vorteil gereichen.
  4. Nur     wenn Kinder die Straße meiden,
    beim Spiel sie keinen Schaden leiden.
  5. Nur nach rechts in kurzem - links in weitem Bogen fahren
    wird Strafe dir und Unglück stets ersparen.
  6. Nur mit Beleuchtung bei Dunkelheit fahren
    wird manchen Verkehrsunfall ersparen.

 

Pestalozzi Fröbelverlag Leipzig (1925)

 



     

Januar 2020: Wandkarten und -bilder

Jetzt mal etwas für die Augen: Als noch nicht aus den schier unendlichen Weiten des Internet fast jedes beliebige Bild auf den Beamer geholt weren konnte, mussten die Schulen und die Lehrkräfte sich mit Wandkarten und -bildern behelfen, auf denen der Unterrichtsstoff veranschaulicht werden konnte. 
Hier sehen Sie eine Sammlung solcher Bilder für den Biologieunterricht, Themen: "Gefiederte Freunde", "Alle Vöglein sind schon da", "Fressen u. Gefressenwerden", "Zimmermann des Waldes: Der Specht".


 
   

 Dezember 2019:  Matrizendrucker 

Was für eine Arbeitserleichterung! Wer eine Schreibmaschine besaß, konnte nun die Arbeitsblätter und Klassenarbeitsaufgaben auf eine Matrize tippen und diese dann auf dem Matrizendrucker so lange "abnudeln", bis sie unleserlich wurde. Dann musste neu getippt werden. Aber das ersparte es den Lehrkräften, lange Texte zu diktieren oder Mathematikaufgaben an die Tafel zu schreiben oder die auch zu diktieren.

Jedes einzelne Blatt musste mit Hilfe einer Kurbel an die Walze gedrückt werden, an der die Rückseite der Matrize anlag, die Schrift spiegelverkehrt, denn die Typen der Schreibmaschine wurden auf ein farbiges Blatt gedrückt, das aber die Farbe auf die Rückseite des Matrizenblattes abgab.

Das Ausdrucken ("Abnudeln") übernahm oft der Hausmeister vor der 1. Stunde.

Die ältere Form war die Wachsmatrize, die in Schwarz druckte; Mitte der 60er Jahre kam die Spirit-Carbon-Matrize auf, die violette Schrift ausgab.

Am Rande bemerkt: Weil als Lösungsmittel Spiritus (Ethanol, also Alkohol) verwendet werden musste, fiel auf manche Lehrkraft der Verdacht, sie könne angetrunken sein...

 

 


   

November 2019: Filmprojektor 

Hier sehen Sie einen Filmprojektor der Marke Siemens (ja, das haben die auch mal gemacht!).

Wer damit arbeiten wollte, benötigte einen Filmvorführschein, der nach einer Fortbildung von der Bildstelle ausgestellt wurde.
Ehe die Vorführung im Unterricht - in den 60er und 70er Jahren noch ein Großereignis! - beginnen konnte, musste zuerst der Bügel oben ausgeklappt werden. Dann wurde der Film, der als perforierter Kunststoffstreifen auf eine Metallspule gewickelt war und in einer "Filmdose" ausgeliefert wurde, eingelegt. Wer dabei nicht aufpasste, lief Gefahr, dass die Zahnräder die Perforation beschädigten. Anschließend musste der Filmstreifen auf der Leerspule befestigt werden.

Wer Glück hatte, konnte jetzt starten - wackelndes und unruhiges Bild hin und schlechter Ton her. "Bandsalat" lag als stete Drohung über dem ganzen Vorhaben, denn dann ging gar nichts mehr, sehr zur Enttäuschung der Klasse.
Denn die Filme, die es meist nur in begrenzter Kopienzahl gab, musste sehr kurzfristig zurückgegeben werden. Und ob der Projektor in der nächsten Stunde verfügbar war?

Gerne vergaßen Lehrkräfte, zurückzuspulen ... Unachtsamkeit gab's also schon vor dem digitalen Zeitalter.

Those were the days.

 

Fotos: H. Bruns / OSM